Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Hard Rock, Prog Rock, Art Rock, Progressive Metal ...

Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitragvon Pavlos » 7. Februar 2021, 15:13

Ok, der Thread wir sicherlich keinen heavy traffic bzw. Dutzende von Antworten auslösen, aber wir haben hier immer noch relativ viele Zugriffe bzw. Feedback von außerhalb des Boards (und vielleicht ist hier ja auch der ein oder andere Interresierte dabei). Ich hab jedenfalls massivst Bock drauf und will aufzeigen, dass der Prog ab Ende der 70er gar nicht mal soooooo tot war, wie er oftmals dargestellt wird. Er roch vielleicht streng, das stimmt wohl, aber hier und da zuckte er weiter und weigerte sich einfach ins helle Licht zu laufen. Ok, die Hochphase war natĂŒrlich schon lĂ€ngst vorbei und andere Stile bestiegen den Thron, aber hier und da wurden auch weiterhin progressive Ausrufezeichen gesetzt, sei es von den great old ones, die weiterhin Scheiben veröffentlichten (Rush, Marillion, King Crimson, Genesis, Yes, Eloy, um jetzt nur mal die ganz großen Namen zu nennen), oder aber auch von weniger bekannten Truppen, die praktisch auf der ganzen Welt verteilt weiterhin ihre vetrĂ€umte Musik vor sich hin zelebrierten und, scheinbar von der Außenwelt komplett ignoriert, weiterhin ganz dolle an die Kraft ihrer Schöpfung und ihre Wurzeln glaubten. Es folgt eine kleine (chronologische) Auflistung vergessener Juwelen aus dem Zeitraum 1980 bis 1985, die nur darauf warten von Prog-affinen Musikfans entdeckt zu werden. Pro Scheibe gibt es einen Song per Link zum Reinhören.


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Asia Minor - Between Flesh And Divine (Frankreich, 1980)
Los geht's mit einer Truppe aus dem Pariser Raum, die zur HĂ€lfte aus tĂŒrkischen Emigranten bestand. Demenstprechend finden sich viele orientalisch angehauchte Passagen auf der Scheibe, die prima zum emotionalen, instrumental ganz oft an frĂŒhe Camel erinnernden Stoff der Band passt. Ja, sogar die Flöte wird oftmals gekonnt integriert, wie man gleich im wunderschönen Opener Nightwind hören kann. Empfehlenswert sind auch der VorgĂ€nger Crossing The Line (1979), sowie das erst letztes Jahr erschienene Points Of Libration, aber ihren kreativen Höhepunkt hatten die Jungs definitiv auf dem hier vorgestellten Meisterwerk des melancholisch angehauchten Symphonic Progs.


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Exodus - The Most Beautiful Day (Polen, 1980)
Bombastischer Symphonic Prog, der gerne das erzĂ€hlerische Element alter Genesis aufnimmt und gekonnt wiedergibt, aber auch viele harte Passagen am Start hat, die gefĂŒhlt schon den bald daruf schon aufkommenden NeoProg vorwegnehmen. Nachzuhören u.a. auf dem grandiosen 20minĂŒtigen Titeltrack Ten Najpiekniejszy Dzien - Suita, der die Longtrack-Disziplin begeisternd meistert. Saga oder die ungarischen Omega kommen mir aks Vergleich auch in den Sinn. Ach ja, trotz des englischen Albumtitels wird in der Landessprache gesungen, das vielleicht noch als wichtige Info, da sich der ein oder andere Hörer damit schwertun könnte.


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Kerrs Pink - Kerrs Pink (Norwegen, 1980)
Auch hier waren Camel die großen Vorbilder. Die Musik lebt hauptsĂ€chlich von fragilen Gitarrenpassagen, intensiven Mellotronteppichen und den zurĂŒckhaltenden (aber irgendwie perfekt passenden) Vocals, die gerne auch mal mehrstimmig vorgetragen werden. Gesungen wird ĂŒbrigens auf Norwegisch, und zusammen mit den immer wieder eingebauten nordischen Folklore-Parts ergibt das eine wunderbare, fĂŒr die damalige Zeit wohl einzigartige Mischung. Camel auf Norwegisch, so könnte man die Scheibe kurz zusammenfassen, nachzuhören auf dem ausgezeichneten Hvis Jeg Er Der Neste Aar. Nach dem hier vorgestellten DebĂŒt kam noch ein weiteres (ebenso starkes) Album, gefolgt von einer lange Pause und dem Wiederbeleben der Band Mitte der 90er. Seitdem gibt es alle paar Jahre eine neue Studioscheibe, die NĂ€chste steht schon in den Startlöchern.


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Agamemnon - Part I & II (Schweiz, 1981)
Wird oft als schweizer Release gefĂŒhrt, und wurde auch dort (St. Gallen) aufgenommen und in Eigenreige veröffentlicht, involviert waren jedoch deutsche Musiker. Dementsprechend krautig klingt der elegisch vorgetragene Psych/Folk Rock der Truppe dann auch, think Minotaurus, Epidaurus und in den folkigen Abschnitten Carol Of Harvest. Es macht Spaß dem Zusammenspiel zwischen Saiten und Tasten in den vielen ausufernden Instrumentalpassagen beizuwohnen, gerade Part I hat viele tolle Momente. Inhaltlich geht es, wer hĂ€tte das bei dem Titel gedacht, um das Leben Agamemnons, dem König von Mykene und dem AnfĂŒhrer der Griechen im Trojanischen Krieg. Gedacht war, den Stoff in vier auf zwei seperaten Platten verteilten musikalischen Teilen (Geburt, König, Troja, Tod) zu prĂ€sentieren. Leider ging man nach der ersten Scheibe getrennte Wege und so kamen nur die beiden ersten Kapitel zu Veröfentlichungsehren, die Teile II und IV gab es damals nur auf Konzerten zu hören.


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Modry Efekt - 33 (Tschechien, 1981)
Modry Efekt (auch bekannt als M.Efekt oder Blue Effect) waren in ihrer Heimat die fĂŒhrende Progressive Rock Band, vom Status her vergleichbar mit Omega in Ungarn oder SBB in Polen. Zwischen 1970 und 1981 veröffentlichte das Trio acht wunderbare Platten und war dabei von Heavy Rock ĂŒber Jazz bis hin zu eben Prog Rock in vielen Stilen beheimatet. Die zwei Scheiben davor empfinde ich zwar als noch stĂ€rker, aber auch "33" hat ausreichend ĂŒberzeugende Momente (wie z.B. der Opener Tƙiatƙicet - ja, gesungen wird auch hier in der Muttersprache) und zeigt, dass der Status der Jungs nicht von ungefĂ€hr kam. FĂ€hige Musiker, klassisch angehaucht, oft komlex, aber immer wieder auch hookige Momente. 2009 erschien ein Boxset mit neun CDs (acht Studioalben plus Bonus CD), die stundenlange Erkundungsfahrten hinter dem eisernen Vorhang ermöglichen. Sauspannend und deshalb: höchste Empfehlungsstufe!!


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Osiris - Osiris (Bahrain, 1981)
Prog Rock vom Persischen Golf aus dem Jahre 1981, geht es noch exotischer? Dabei hat die Band diesen "Bonus" nicht nötig, wird hier doch auf qualitativer Augenhöhe mit der westlichen Welt musiziert. Im Gegenteil, die oftmals eingebauten Elemente der heimatlichen Musik verschmelzen prima mit denen der eigenen musikalischen EinflĂŒsse aus dem UK (Camel, Yes, Genesis), und so wechseln sich orientalische Gitarrenleads mit langgezogenen Keyboard-Spielereien ab und erschaffen somit etwas völlig eigenstĂ€ndiges - man lausche nur mal dem ZwölfminĂŒter Sailor On The Seas Of Fate. Gesungen wird hier ĂŒbrigens auf Englisch. Ganz tolles Album (das ich durch unseren Killmister kennengelernt habe, DANKE nochmal dafĂŒr).
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Re: Obscure Progressive Rock 1980-1985

Beitragvon Pavlos » 7. Februar 2021, 15:14

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Synkopy - Sluneční Hodiny (Tschechien, 1981)
Nochmal Tschechien, nochmal symphonischer Prog. Synkopy wurden Anfang der 60er gegrĂŒndet und starteten mit westlich angehauchter Beatmusik, ehe man in den 70ern so langsam in Richtung Hard Rock (Uriah Heep, Deep Purple) driftete, um dann am Ende des Jahrzehnts dann doch noch im Prog Rock anzukommen. Ausschlaggebend fĂŒr diesen stilistischen Schlenker war wohl Tastenmann Oldƙich VeselĂœ, der fĂŒr ein paar Jahre zu den oben erwĂ€hnten Landsleuten von Modry Efekt wechselte, wo er das dort geleckte Prog-Blut mit seiner RĂŒckkehr 1980 zurĂŒck zu Synkopy brachte. Uns so klingt "SlunečnĂ­ Hodiny" auch oft nach den 70ern Scheiben Modry Efekts, nur mit noch mehr Jazz, noch mehr Funk(!), ja sogar Kammermusik(!!) kommt vor. Ein weitere Pluspunkt ist, dass die zwei Gitarristen die hardrockige Vergangenheit der Truppe immer wieder ins GedĂ€chnis rufen, und zwischen all den symphonischen Passagen immer wieder kantige Uriah Heep durchschimmert (wie z.B. auf dem Closer Toulka Je OblĂĄ). Eine dunkle, atmosphĂ€rische Scheibe voll Wendungen.


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Werwolf - Creation (Deutschland, 1982)
Der ein oder andere User hier wird sich vielleicht erinnern, dass ich diese sensationelle Scheibe vor ein paar Jahren schon einmal in meiner Prog-Oase vorgestellt habe. Werwolf aus Olpe im Sauerland (die Herkunft raubt dem Bandnamen irgendwie das GefĂ€hrliche, wie ich finde) spielten symphonischen Prog Rock der ganz entspannten Art. Eine sofort in den Bann ziehende Mischung aus Melancholie, Zerbrechlichkeit und Mystik wurde hier erschaffen, ELOY und (mal wieder) CAMEL standen Pate, aber bei beiden Bands nur die introvertierten Elemente. Ab und an wird gesungen, dann jedoch auch hier eher zurĂŒckhaltend, aber immer mitten ins Herz. Der Gitarrist spielt nicht nur, nein, er pinselt ganze GemĂ€lde vor das geistige Auge des Hörers. Das lĂ€sst sich alles schwer erklĂ€ren, das muss man gehört haben, am besten dafĂŒr eigent sich vielleicht das wunderschöne Way To Paradise. Musik fĂŒr (Tag-)TrĂ€umer....und wer tut das nicht in diesen komischen Zeiten?!


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Bacamarte - Depois Do Fim (Brasilien, 1983)
Ein Klassiker des sĂŒdamerikanischen Prog Rocks, der noch stark nach den 70ern klingt und sich nicht vor den Klassikern aus Übersee verstecken muss. Große Worte, I know, aber wer die Scheibe hört, wird mir beipflichten. Nicht zurecht findet sich "Depois Do Fim" in der All Time Liste der progarchives auf dem 40. Platz wieder. Nicht schlecht, wen man bedenkt, wer und was da alles noch dahinter aufgelistet wird. Analoge Keyboards, (nicht zu) verspielte Strukturen, gaaaanz viel Gitarren (elektrisch, akustisch, neoklassisch - ich fĂŒhle mich oft an 70er Rush erinnert, just listen to Smog Alado) und das leicht sĂŒssliche Element sĂŒdamerikanischer Musik - das sind die Zutaten, die hier gekonnt vermischt wurden. Die Flöte kommt oft zum Einsatz, aber weniger im fragilen Stile Camels, sondern mehr auf die "wildere" Art und Weise, wie sie oftmals im Rock Progressivo Italiano vorkommt. Die Songs sind durchweg melodisch gehalten, harmonisch ausbalanciert, gesungen wird selten, dann aber in Portugiesisch (von einer Frau). Gitarrist Mario Neto galt in seiner Heimat als Gitarrengott, und das absolut zurecht, wie der guitar driven Symphonic Rock Bacamartes beweist.


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Solaris - Marsbéli Krónikåk (Ungarn, 1984)
Sowas wie der out-of-the-box Kandidat dieser Liste. Zwar schon noch symphonischer Prog, aber oft recht elektonisch (und rein instrumental) gehalten. Keine Ahnung, ob Ayreon Mastermind Arjen Lucassen diese Scheibe schon mal gehört hat bzw. sie ihn vielleicht sogar zu seinem Projekt inspiriert hat, aber falls ja, dann wĂŒrde mich das nicht wundern. Wuchtige Keyboardfanfaren dominieren zusammen mit herrlich nach allen Seiten ausschlagenden Rock-Passagen. Mal wird das seperat vollfĂŒhrt, mal supercool zusammen vermischt, wie z.B. auf dem stand out track der Scheibe M'ars Poetica. Die Musik lebt weniger von einzelnen Momenten, hier gibt es eigentlich keine KabinettstĂŒckchen zu bestaunen, aber diese "Der Star ist die Mannschaft" Vorgehensweise funktioniert ausgezeichnet. Man merkt, dass hier noch old schoolig komponiert wurde, das große Ganze wird nie aus den Augen verloren. Lucassen, drop your pants!!


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Barrock - Barrock (Italien, 1985)
Vielleicht die obskurste Scheibe dieser Liste. "Barrock" wurde bisher leider nur im Original als Kassette veröffentlicht, mehrere Rerelease-Versuche scheiterten seitdem. Musikalisch auch sehr speziell, wird hier leichtfĂŒssiger early 80s Rock mit dominanten Keyboards und zwei SĂ€ngerinnen vorgetragen. Das klingt dann wie eine Mischung aus Abba und dem Ayreon DebĂŒt (nur in nicht ganz so ausufernd und -typisch Italien eben- fast schon Pop-Charakter). Das wird dem "seriösen" Progfan höchstwahrscheinlich viel zu schwĂŒlstig daherkommen, aber ich bin ja bekennender KĂ€sefan und kann mich der Charme von z.B. Lilia nicht entziehen. Barrock veröffentlichten in den 90ern drei weitere Alben, wo sie ihren doch recht kauzigen Stil beibehielten. Absolutes Liebhaberthema und nur fĂŒr (KĂ€se-)Extremisten. Die jedoch werden es abfeiern.


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North Star - Feel The Cold (USA, 1985)
Eine der bisher leider immer noch unentdeckten Bands des US Progs. Dabei liefert die Band schon seit 1984 konstant ab und sollte mit ihrem stark an "alte Genesis mit Gabriel" (und damit eben auch early Marillion) orientierten Sound eigentlich ausreichend Fans bzw. Beachtung finden. Wer mit solchen "Kopien" leben kann, der taucht hier ein in Heavy Progressive mit ganz viel Keyboards und einem fÀhigen SÀnger. Wieso wird SÀnger Joe Newman nie in einem Atemzug mit seinen Kollegen von Marillion, Twelfth Night oder IQ gennant? Close your eyes, hört Euch den Opener und Titeltrack Feel The Cold an und ihr versteht sofort, was ich meine. Wie bei eigentlich fast allen Alben dieser Liste gilt auch hier: rar, teuer, aber extreeem belohnend.



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Re: Obscure Progressive Rock 1980-1985

Beitragvon Angelus_Mortiis » 7. Februar 2021, 15:45

Auch ohne mir bis jetzt alles durchgelesen oder angehört zu haben: Danke Pavlos! Ich werde damit meinen Spaß haben. mein Konto vielleicht nicht so :smile2:
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitragvon Flossensauger » 7. Februar 2021, 17:06

Alter!

Da kenn' ich nix von!
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitragvon Fire Down Under » 7. Februar 2021, 18:22

Flossensauger hat geschrieben:Alter!

+1

Flossensauger hat geschrieben:Da kenn' ich nix von!

Werwolf und Modry Efekt sind hier so halb-bekannt, von Osiris hab ich zumindest das Plattencover schon mal gesehen, ob ich auch in die Scheibe reingehört hab, weiß ich nicht mehr.

Danke fĂŒr diesen Faden! Ein Thread vom Griechen immer lohnt, auch wenn man etwas weiter wohnt...!
:ahasoso:

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitragvon Pavlos » 26. Februar 2021, 21:03

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Eden - Perelandra (Deutschland, 1980)
Eden waren eine der ersten christlichen Rockgruppen in Deutschland und brachten es zwischen 1978 und 1980 auf drei Platten. Perelandra, inspiriert von bzw. benannt nach der gleichnamigen Buchtrilogie von C.S. Lewis,erschien 1980 und verbindet auf bezaubernde Weise den Bombast des Symphonic Prog (wie z.B. auf Abgesang, dem Eloy-mÀssigen Opener mit fetten Chören, Twin Guitars und Keyboardfanfaren en masse) mit den fragilen Elementen des Folk. Da die Truppe Kommunen-mÀssig organisiert war, kamen neben dem harten Kern immer wieder diverse GÀste an den verschiedensten Instrumenten (u.a. Flöte, Bouzouki, Streicher, Sitar) zum Zuge, was in einer wunderbar abwechslungsreichen und kurzweiligen Reise resultiert. Die Bibel-lastigen Texte muss man dabei jedoch abkönnen.


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Kayak - Merlin (Niederlande, 1981)
Die Band veröffentlichte Anfang bis Ende der 70er ein paar Semiklassiker des Genres, ehe man sich, wie so viele andere Prog-Dinos auch, den poppigeren KlĂ€ngen öffnete und versuchte, diese mit dem alten Sound zu kombinieren. Das gelang ihnen auf Merlin (hier mal als Anspieltipp der Titeltrack) ganz gut, wie ich finde. Die erste Seite beinhaltet ein Konzept und erzĂ€hlt mit hymnisch-semiproggigen Tracks ĂŒber das Leben und Wirken des Zauberers, die zweite Seite enthĂ€lt seperate Songs, die deutlich straighter daherkommen. Da das Album nicht erfolgreich lief, löste sich die Band sich vorrĂŒbergehend auf....um im Jahr 2000 wiederzukommen. Seitdem ist man wieder aktiv und haut eine Platte nach der anderen raus, u.a. auch ein Remake (Merlin - A Bard Unseen, 2003) der hier vorgestellten Scheibe.


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Nethwerworld - In The Following Half-Light (USA, 1981)
Ein ganz, ganz tolles Album, welches das Dilemma des Threads aufzeigt: zu spĂ€t um bei der ersten Progwelle mitzumischen bzw. abzusahnen, aber auch etwas zu frĂŒh fĂŒr die Wiedererweckung des Genres durch den Neoprog. Schade, denn Netherworld klangen wie so manch geniale Truppe, die erst ein, zwei Jahre spĂ€ter Scheiben veröffentlichten und sich erfolgreich und langfristig etablieren konnte (Twelve Night, Pallas, IQ, Marillion). Ich ĂŒbertreibe nicht, wenn ich jetzt sage, dass Netherworld mit allen(!!) genannten Bands (zumindest in iheren FrĂŒhphasen) mithalten konnten, wie man z.B. auf Isle Of Man nachhören kann. Das ist atmosphĂ€risch dichter storytelling Prog in Perfektion, wie ich finde. Leider gibt es die Scheibe nur als Original, sprich Vinyl, sprich rar und teuer.


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Eden's Taste - Meilensteine (Deutschland, 1983)
Eine interessante Mischung aus Genesis (zur Zeit nach Gabriels Ausstieg), 80er Eloy und early Marillion hatten diese Jungs zu bieten. Dazu dann noch der Gesang in der Muttersprache, dieses typische Kraut Prog MĂ€rchenfeeling (mit einem leicht modernisierten Sound) und die ErwĂ€hnung Anoyone's Daughters, bei denen der Mann am Mikro zuvor auch mal tĂ€tig war, und schon sollte interessierten Progfans das Wasser im Munde zusammenlaufen. Zurecht, wie ich finde, denn Meilensteine ist ein von Menscheit, Raum und Zeit vergessenenes Juwel. Als Anspieltipp verlinke ich mal das bombastische Erinnerungen, will dabei jedoch noch betonen, dass die Nummer nicht stellvertretend fĂŒr den Rest dieser recht abwechslunsreichen Platte steht. Ein höchst charmantes Album, wie ich finde.


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Craft - Craft (England, 1984)
Ein rein instrumentales one-and-done Album bzw. Trio, zu 2/3 bestehend aus Ex-The Enid Musikern. Die Konzeptscheibe (es geht um Sternzeichen und die dazu passende musiklaische Untermalung) lÀuft zwar unter Symphonic Prog, und es gibt wirklich a lot of pompöse Keyboardfanfaren und anspruchsvolle (da ungerade und/oder unerwartete) Arrangements zu hören, aber was leider praktisch nie erwÀhnt wird, der Sache aber ordentlich Dampf verleiht, sind das treibende Schlagzeug, der stets pumpende Bass und das wirklich heavy klingenden Gitarrenspiel. Als ob ELP zusammen mit einer (vielleicht'nen Tick zu glatt produzierten) 80er Rockband musizieren, nachzuhören auf dem Opener Aries. Ich liebe diesen Breitwandsound!!


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Gunesh Ensemble - Looking At The Earth (Turkmenistan, 1984)
ZunĂ€chst als reines Jazz-Studioprojekt des Staatsfernsehens mit reifen und entsprechend ausgebildeten Musikern gegrĂŒndet, schloßen sich nach dem DebĂŒt (1980) immer mehr junge Musiker dem Ensemble an, und sorgten mit all den frisch hinzugekommenen EinflĂŒssen und Stilen aus dem Ausland fĂŒr eine zunĂ€chst mal kurios klingende Mischung aus Jazz, Brass, Folk, Rock und World Music, die widerum eine wunderbar abgefahren progressive Mischung ergibt, bei/in der es soooo viel tolle Details zu entdecken gibt. Diesr Mix aus uralten folkloristischen GesĂ€ngen und (fĂŒr das Turkmenistan der 80er) modernen Instrumentalabfahrten ist wohl ziemlich einmalig, denke ich. Hier mal der AchteinhalbminĂŒter Rhythms Of The Caucasus zum Reinkommen. (M)ein Gedankengang, der mir jedes Mal in den Kopf kommt: Was fĂŒr den Rest der Welt eine Kombination aus Alt und Exotisch war, muss fĂŒr die beteiligten Musiker absolutes Neuland gewesen sein. Spannende Sache, indeed.
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