VIPER BRAZIL-Thread

Schreibt euch die Finger wund ĂŒber das große Thema "Metal" - ĂŒber neue Platten, neue Bands, Konzerte etc.

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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Jutze » 25. April 2012, 21:09

Geschichtsstunde, die erste: Wie alles begann...

Pit und Yves Passarell (Jahrgang 1968 bzw. 1969) erliegen zusammen mit ihrem Kumpel Felipe Machado (Jahrgang 1970) Anfang der 80er dem Rock- und Metal-Fieber. Die großen Metalbands aus Übersee werden gehört - IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, KISS und wie sie alle heißen -, aber auch diverse Punk-Sachen stoßen auf offene Ohren. Alsbald beginnen die Jungs selbst mit dem Musik machen und grĂŒnden zusammen mit Cassio Audi und Andre Matos (Jahrgang 1971) eine eigene Band namens VIPER. Der Legende nach lernte Matos die anderen beim Fußball spielen kennen und wurde in erster Linie deshalb in die Band aufgenommen, weil er Bruce Dickinson Ă€hnlich sah.

Recht spontan hatten VIPER dann am 8. April 1985 ihren ersten Auftritt (spĂ€ter auch besungen im Lied "8 De Abril"), wo sie spontan fĂŒr eine andere Band einsprangen. Neben einigen Cover-Versionen ihrer Vorbilder (DEMONs "Night of the Demon", IRON MAIDENs "Run to the Hills", SAXONs "Power and Glory" und auch VENOMs "Countess Bathory") werden bereits die ersten eigenen StĂŒcke gespielt: "Signs of the Night" "Nightmares", "The Whipper". Ich habe von dem Auftritt bislang lediglich einen der mitgeschnittenen Songs gehört - "Breaking the Law" (JUDAS PRIEST) - und muss gestehen, dass von der spĂ€teren Klasse eher wenig durchschimmert. Der charismatische Gesang von Matos bewegte sich noch in ĂŒberraschend tiefen Lagen und die Rhythmusgruppe poltert mehr, als dass sie treibt. Bei den Gitarren braucht schon viel Fantasie, um das versteckte Talent zu entdecken, wobei der simpel gestrickte Song ein ĂŒbriges tut. Aber der Grundstein war gelegt - und die fĂŒnf Jungspunde waren alles andere als faul.

Noch im selben Jahr tauchte das erste Demo der Band auf, "The Killera Sword". Produktionstechnisch wenig mehr als eine ordentliche Proberaumaufnahme gibt es rĂŒckblickend allerlei Kinderkrankheiten zu hören. Immer wieder tauchen Funken der spĂ€teren Leidenschaft bei den Instrumenten durch und Andre Matos (noch immer nicht in allzu hohen Lagen unterwegs) wirkt durchaus selbstsicher, auch wenn die Aussprache von Worten wie "sWord" oder "gUide" dafĂŒr sprechen, dass der Gute diverse Englischstunden geschwĂ€nzt hatte, um zu proben. Die Gitarren agieren schön melodisch, klingen aber bisweilen (noch) etwas dilletantisch und stĂŒmperhaft. Beim Songwriting lassen die ausfĂŒhrlichen Zwischenteile ("The Whipper"!) und die originelle MelodiefĂŒhrung aufhorchen. So hat etwa der Refrain von "Nightmares" keinen Text, sondern besteht aus einem coolen "Ohooohoo", wie man es bei derart flotten Songs nicht gewöhnt ist. Neben schönen Speed Metal-Tracks wie "Law of the Sword" gibt es aber auch (unruhige) Midtemposongs, bei denen NWoBHM-EinflĂŒsse durchschimmern ("Signs of the Night" und das instrumentale "Killera (Princess of Hell)").

FĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse reichten die Aufnahmen, um Konzertauftritte an Land zu ziehen und erste Fans zu gewinnen. Wie groß die Band seinerzeit tatsĂ€chlich war, kann ich nicht einschĂ€tzen. Auf der einen Seite waren sie noch Teenager, andererseits war der Zugang zu auslĂ€ndischem Metal seinerzeit begrenzt und der Markt noch nicht so ĂŒbersĂ€ttigt wie heute. FĂŒr das Jahr 1986 fehlen mir nennenswerte Ereignisse; dafĂŒr geht es hier in KĂŒrze weiter mit dem Jahr 1987 und dem DebĂŒt-Album "Soldiers of Sunrise"...
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Franko » 26. April 2012, 10:57

Jutze hat geschrieben:Geschichtsstunde, die erste: Wie alles begann...

Pit und Yves Passarell (Jahrgang 1968 bzw. 1969) erliegen zusammen mit ihrem Kumpel Felipe Machado (Jahrgang 1970) Anfang der 80er dem Rock- und Metal-Fieber. Die großen Metalbands aus Übersee werden gehört - IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, KISS und wie sie alle heißen -, aber auch diverse Punk-Sachen stoßen auf offene Ohren. Alsbald beginnen die Jungs selbst mit dem Musik machen und grĂŒnden zusammen mit Cassio Audi und Andre Matos (Jahrgang 1971) eine eigene Band namens VIPER. Der Legende nach lernte Matos die anderen beim Fußball spielen kennen und wurde in erster Linie deshalb in die Band aufgenommen, weil er Bruce Dickinson Ă€hnlich sah.

Recht spontan hatten VIPER dann am 8. April 1985 ihren ersten Auftritt (spĂ€ter auch besungen im Lied "8 De Abril"), wo sie spontan fĂŒr eine andere Band einsprangen. Neben einigen Cover-Versionen ihrer Vorbilder (DEMONs "Night of the Demon", IRON MAIDENs "Run to the Hills", SAXONs "Power and Glory" und auch VENOMs "Countess Bathory") werden bereits die ersten eigenen StĂŒcke gespielt: "Signs of the Night" "Nightmares", "The Whipper". Ich habe von dem Auftritt bislang lediglich einen der mitgeschnittenen Songs gehört - "Breaking the Law" (JUDAS PRIEST) - und muss gestehen, dass von der spĂ€teren Klasse eher wenig durchschimmert. Der charismatische Gesang von Matos bewegte sich noch in ĂŒberraschend tiefen Lagen und die Rhythmusgruppe poltert mehr, als dass sie treibt. Bei den Gitarren braucht schon viel Fantasie, um das versteckte Talent zu entdecken, wobei der simpel gestrickte Song ein ĂŒbriges tut. Aber der Grundstein war gelegt - und die fĂŒnf Jungspunde waren alles andere als faul.

Noch im selben Jahr tauchte das erste Demo der Band auf, "The Killera Sword". Produktionstechnisch wenig mehr als eine ordentliche Proberaumaufnahme gibt es rĂŒckblickend allerlei Kinderkrankheiten zu hören. Immer wieder tauchen Funken der spĂ€teren Leidenschaft bei den Instrumenten durch und Andre Matos (noch immer nicht in allzu hohen Lagen unterwegs) wirkt durchaus selbstsicher, auch wenn die Aussprache von Worten wie "sWord" oder "gUide" dafĂŒr sprechen, dass der Gute diverse Englischstunden geschwĂ€nzt hatte, um zu proben. Die Gitarren agieren schön melodisch, klingen aber bisweilen (noch) etwas dilletantisch und stĂŒmperhaft. Beim Songwriting lassen die ausfĂŒhrlichen Zwischenteile ("The Whipper"!) und die originelle MelodiefĂŒhrung aufhorchen. So hat etwa der Refrain von "Nightmares" keinen Text, sondern besteht aus einem coolen "Ohooohoo", wie man es bei derart flotten Songs nicht gewöhnt ist. Neben schönen Speed Metal-Tracks wie "Law of the Sword" gibt es aber auch (unruhige) Midtemposongs, bei denen NWoBHM-EinflĂŒsse durchschimmern ("Signs of the Night" und das instrumentale "Killera (Princess of Hell)").

FĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse reichten die Aufnahmen, um Konzertauftritte an Land zu ziehen und erste Fans zu gewinnen. Wie groß die Band seinerzeit tatsĂ€chlich war, kann ich nicht einschĂ€tzen. Auf der einen Seite waren sie noch Teenager, andererseits war der Zugang zu auslĂ€ndischem Metal seinerzeit begrenzt und der Markt noch nicht so ĂŒbersĂ€ttigt wie heute. FĂŒr das Jahr 1986 fehlen mir nennenswerte Ereignisse; dafĂŒr geht es hier in KĂŒrze weiter mit dem Jahr 1987 und dem DebĂŒt-Album "Soldiers of Sunrise"...

Sehr schön lieber Jutzen-Mann! :yeah:
Ab wann ist dann eigentlich der Limb (deren spÀterer Manager) ins Spiel gekommen?
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Beitragvon Jutze » 26. April 2012, 22:00

Franko hat geschrieben:Ab wann ist dann eigentlich der Limb (deren spÀterer Manager) ins Spiel gekommen?


Keine Ahnung - bei der Erstveröffentlichung von "Theatre of Fate" 1989 war sein Name noch nicht im Spiel. Beim Japan-Release (21.7.1991) wird dann Limb Schnoor bzw. L.M.P. als Management aufgefĂŒhrt. Das Album war zuvor in den japanischen Import-Charts noch vor NIRVANAs "Nevermind" gewesen - das hat vermutlich dazu beigetragen. 1992 folgte dann die erste deutsche Veröffentlichung via Massacre.
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Franko » 26. April 2012, 22:04

Jutze hat geschrieben:
Franko hat geschrieben:Ab wann ist dann eigentlich der Limb (deren spÀterer Manager) ins Spiel gekommen?


Keine Ahnung - bei der Erstveröffentlichung von "Theatre of Fate" 1989 war sein Name noch nicht im Spiel. Beim Japan-Release (21.7.1991) wird dann Limb Schnoor bzw. L.M.P. als Management aufgefĂŒhrt. Das Album war zuvor in den japanischen Import-Charts noch vor NIRVANAs "Nevermind" gewesen - das hat vermutlich dazu beigetragen. 1992 folgte dann die erste deutsche Veröffentlichung via Massacre.

Genau, auf meinen CD's von 1992 steht nÀmlich der Limb auch schon drauf. Aber da kam ja auch (fast) schon das erste ANGRA Demo raus.
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Jutze » 4. Mai 2012, 20:43

1987 veröffentlichten VIPER ihr LP-DebĂŒt "Soldiers of Sunrise". Musikalisch war die Band in den vergangenen zwei Jahren gereift. Keine Spur mehr von wackligen Arrangements - und erstmals dringt Andre Matos in die Höhen vor, wo man nur ab und an Leute wie Michael Kiske oder Geoff Tate trifft. So beginnt gleich der Opener "Knights of Destruction" mit Vollgas und allerlei SprĂŒngen zwischen den Tonlagen, oft innerhalb einer Zeile. Man hört der Musik zwar den NWoBHM-Einfluss an, doch gleichzeitig durchzieht alle Kompositionen die EigenstĂ€ndigkeit der Band. Im Vergleich zum Demo spielen VIPER tighter und schneller. "H.R." brettert im Vergleich zum Demo mit doppelter Geschwindigkeit aus den Boxen und der Titeltrack ist allererste Speed-Metal-Sahne. Die Produktion klingt sicherlich nicht so klar und differenziert wie STRATOVARIUS-Album. Aber das wĂŒrde auch die AuthentizitĂ€t und vor allem die leidenschaftliche Energie schmĂ€lern, denke ich. Man braucht ansonsten schon eine große Lupe, um irgendwelche Makel an diesem Album zu finden. Mein Liebingssong ist meistens "Wings of the Evil", ein herrlicher 6/8-Treiber mit tollen Gitarren und großartigem Refrain, der von den Leadgitarren untermalt wird, die dann im Mittelteil noch mal eine Schippe drauflegen.

Innerhalb von zwei Jahren war die Band songwriterisch und spieltechnisch also in die oberste Liga aufgestiegen. Die beiden Gitarristen demonstrieren, dass sich Songdienlichkeit und Ekstase nicht zwingend gegenseitig ausschließen. Andre Matos agiert mit 15 Jahren bereits beeindruckend souverĂ€n und Pit Passarell wertet die Musik mit kreativen Basslinien auf, die ganz in der Tradition von Steve Harris und Markus Grosskopf stehen. Cassio Audi treibt seine Kollegen ordentlich an - rĂ€umte kurz nach der Albumveröffentlichung dann aber seinen Platz. Roadie und Bandfreund Val Santos ĂŒbernahm seinen Posten. Mit "Soldiers of Sunrise" steigerten VIPER abermals ihren Bekanntheitsgrad, wobei auch erste Exemplare den Weg nach Übersee fanden.

Bei aller musikalischer Klasse waren VIPER damals aber immer noch eine Band, die aus Teenagern bestand. Felipe Machado wird viele Jahre spĂ€ter nicht mĂŒde zu betonen, dass es nie einfach nur eine Band gewesen sei, sondern in erster Linie eine Gruppe von Freunden. Entsprechend folgte nicht etwa ein groß angelegter Business-Plan, sondern eine temporĂ€re Pause, da Machado fĂŒr ein Austauschjahr in die USA ging und der Rest die Band so lange auf Eis legte. Nach seiner RĂŒckkehr 1988 spielte die Band ihren ersten Auftritt im Vorprogramm einer etablierten auslĂ€ndischen Band: MOTÖRHEAD. Das Publikum interessierte sich freilich nur teilweise fĂŒr die Vorband. Weitere Konzerte folgten jedoch und auch das zweite Album wurde schließlich in Angriff genommen. Mehr dazu in KĂŒrze an dieser Stelle.
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Fire Down Under » 4. Mai 2012, 22:07

Sehr schöne Huldigung - auch im Review! Ich kann mich nur wiederholen: das ist eine der 10 besten Heavy Metal Scheiben die dieser Planet je hervorgebracht hat, und "Wings Of The Evil" ebenfalls einer der besten Songs aller Zeiten. Unfassbar was hier zusammengeholzt wird...
:ahasoso:

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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Jutze » 14. Mai 2012, 23:44

Das nĂ€chste Album wird erst in ein paar Tagen besprochen - aber dafĂŒr gibt's aktuelle Neuigkeiten: Gestern spielte die wiedervereinigte Band erstmals live, wenn auch nur im Fernsehen. Immerhin war Yves Passarell fĂŒr ein Lied mit dabei und Andre Matos sang einen Song vom "Evolution"-Album, wobei er fieser, rock'n'rolliger und tiefer klang als auf allen seinen bisherigen Werken (ja, klar, gehört wenig dazu). Willkommen zurĂŒck!
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Acrylator » 15. Mai 2012, 00:09

Jutze hat geschrieben:Das nĂ€chste Album wird erst in ein paar Tagen besprochen - aber dafĂŒr gibt's aktuelle Neuigkeiten: Gestern spielte die wiedervereinigte Band erstmals live, wenn auch nur im Fernsehen. Immerhin war Yves Passarell fĂŒr ein Lied mit dabei und Andre Matos sang einen Song vom "Evolution"-Album, wobei er fieser, rock'n'rolliger und tiefer klang als auf allen seinen bisherigen Werken (ja, klar, gehört wenig dazu). Willkommen zurĂŒck!

Wieso "Evolution"? Das ist doch "Living For the Night" von der "Theatre Of Fate".
Irgendwie nett, die mal wieder zusammen zu sehen, aber Andre Matos scheint mittlerweile schon ne etwas kaputte Stimme zu haben, oder war der da gerade erkÀltet?
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Jutze » 15. Mai 2012, 00:40

Acrylator hat geschrieben:Wieso "Evolution"? Das ist doch "Living For the Night" von der "Theatre Of Fate".

Am Ende kommt noch "Rebel Maniac"...

Acrylator hat geschrieben:Irgendwie nett, die mal wieder zusammen zu sehen, aber Andre Matos scheint mittlerweile schon ne etwas kaputte Stimme zu haben, oder war der da gerade erkÀltet?

Ich empfinde das auch so - weiß aber nicht, wieso/warum er so klingt/singt. Bei Timo Kotipelto habe ich auch immer diesen Eindruck. Allerdings hatte ich mal das VergnĂŒgen, Andre Matos komplett unplugged zu hören (also ohne Mikro - vor 20 Nasen in 'nem Laden in Hannover), da klang er wirklich gut, selbst wenn er wohl nie so "druckvoll" singen wird wie etwa Daniel Gildenlöw oder Tom Mallicoat.
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Ulle » 15. Mai 2012, 01:04

Wow - die Stimme ist ja wohl echt total am Arsch. Klingt wie das Deris'sche "Eagle Fly Free".
Trotzdem, wenn es Gigs in Germany geben sollte bin ich dabei :smile2:
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Acrylator » 15. Mai 2012, 02:12

Jutze hat geschrieben:
Acrylator hat geschrieben:Wieso "Evolution"? Das ist doch "Living For the Night" von der "Theatre Of Fate".

Am Ende kommt noch "Rebel Maniac"...

Ah, okay, hatte es nicht ganz bis zum Ende angesehen. Den Song mochte ich auch irgendwie nie, ist mir zu sehr Punkrock... (Ansonsten mag ich die "EVOLUTION" und die EP danach aber sehr)
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Jutze » 17. Mai 2012, 14:35

1989 spielten VIPER allerlei Konzerte in ihrem Heimatland Brasilien und nahmen ihr zweites Album "Theatre of Fate" auf. Zudem tritt die Band auch in diversen großformatigen Fernsehshows auf, was vermutlich so wĂ€re, wie wenn 1989 zwischen Chris de Burgh und Peter Maffay plötzlich BLIND GUARDIAN bei Wetten, daß... aufgetaucht wĂ€ren.

Nach dem DebĂŒt hatte die Band rockigere Songs wie "Crime" und "Killing Word" geschrieben. Doch als die AlbumplĂ€ne konkret wurden, entschied man sich dafĂŒr, ein Konzeptalbum zu machen, dass fast komplett aus der Feder von Pit Passarell stammte. Die StĂŒcke dafĂŒr waren eine Mischung aus dem gewohnten Melodic Speed Metal und eine neu gefundene SelbststĂ€ndigkeit. Der Gesang wurde einen Tick höher, es gab mehr Tempowechsel und mit "Prelude to Oblivion" und "Moonlight" zwei Songs, die aus dem Vers-Refrain-Schema ausbrachen.

Begann das DebĂŒt noch direkt mit einem schnellen Riff, eröffnet auf "Theatre of Fate" das instrumental "Illusions" mit Akustikgitarren den Reigen. Eine wunderschöne Melodie lĂ€dt ein zum Verweilen und alles scheint gut zu sein. Musikalisch versprĂŒhen die anschließenden Uptempo-Songs durchaus Fröhlichkeit und Optimismus. Aber textlich sieht es ganz anders aus, handelt das Album doch vom Drang aus einem Leben voller Routine und StraßenkriminalitĂ€t auszubrechen. Beim Opener "At Least a Chance" ist am Anfang von "four billion faces" die Rede und der Refrain beginnt mit der Hoffnung, dass vielleicht irgendwann ein strahlendes Licht die Menschen dazu bringen wird, bessere Leben zu fĂŒhren, bevor es in der ersten Person heißt "I'll have at least a chance". Doch da sind die schlechten Gewohnheiten, in der Vergangenheit begangene Fehler und schöne Erinnerungen, die die Gegenwart noch trister erscheinen lassen. "A Cry from the Edge" ist dann der verzweifelte Wunsch nach Gesellschaft, nach jemandem, der fĂŒr einen da ist. Es folgt das bekannteste Lied des Albums, "Living for the Night". Der balladeske Anfang zeigt das Melodie-GespĂŒr von Pit Passarell und der charismatische Gesang von Andre Matos passt perfekt zur Stimmung. Dann folgt der Bruch im Mittelteil, harte Gitarren, weniger Melodie, die HĂ€rte des Lebens am Rande des Gesetzes - und dann alleine in einer dunklen Seitengasse, ich und ein namenlose ER - und ein Messer.

Uff, Zeit die Platte umzudrehen - wobei das nur fĂŒr die deutsche Version von 1992 gilt. UrsprĂŒnglich endete der erste Akt bereits ein Lied vorher. Ich mag die Pause nach "Living for the Night" aber besser - denn die verhallenden Sirenen am Ende deuten an, dass jetzt etwas passiert ist, und "Prelude to Oblivion" hat wieder Opener-Charakter. TatsĂ€chlich ist "Prelude to Oblivion" ein letzter Funken Hoffnung, praktisch ein StreitgesprĂ€ch zwischen SuizidalitĂ€t und Lebensmut, der das Album auf eine neue Ebene hievt. Dort angekommen wechselt der Titelsong dann die Perspektive. In den Strophen wird die Geschichte eines Jungen Akt-weise erzĂ€hlt, zuerst die TrĂ€ume der Kindheit und Jugend, dann die Konfrontation mit der Erwachsenenwelt und dem Kampf gegen die immer schneller verrinnende Zeit - und zuletzt der Verwandlung von Mut in Hass und Desillusionierung. UrsprĂŒnglich sollte das Album "End of a Fate" heißen - auf der RĂŒckseite sieht man in dem Buch auch, dass das "a" durch ein "our" ersetzt wurde. Denn das Album endet mit "Moonlight", wo noch einmal aus der Ich-Perspektive berichtet wird, wie das eingangs besungene hoffnungsvolle Licht erscheint. "I'm alive just by the light from your eyes" heißt es dann. Der sichere Hafen, das Ende der Einsamkeit scheint erreicht. Doch dann zeigt sich, dass es nur das Licht des Mondes war - und der ErzĂ€hler weiter fĂŒr die Nacht leben wird, wartend auf die DĂ€mmerung "to live again the lonely shades of my days".

Jaja, da habe ich jetzt viel reininterpretiert. Aber zur Musik fĂ€llt mir nicht so viel zu schreiben ein - sie klingt einfach gut! Tolle Gitarren, schönes Tempo, super Gesang, bei zwei StĂŒcken (wohlgemerkt Speed Metal-Songs) sogar Streichquartett-Klangtupfer - alles da! FĂŒr die (im Vergleich zum DebĂŒt aufgerĂ€umte) Produktion verpflichteten VIPER den EnglĂ€nder Row M. Rowland, der nicht nur die Änderung des Albumtitels vorschlug, sondern auch Andre Matos dazu ermutigte Keyboards aufzunehmen und das Schlagzeugspiel von Valder Santos derart kritisierte, dass die Band fĂŒr die Aufnahmen kurzerhand SĂ©rgio Facci (VODU) engagierten. Als das Album erschien, saß dann bereits Guilherme Martin auf dem Schlagzeughocker.

Die Zukunft der Band schien rosig zu sein. Bei Live-Auftritten in der ersten JahreshĂ€lfte stellte die Band das komplette Album live vor zusammen mit "Knights of Destruction", "Soldiers of Sunrise", "Wings of the Evil" und anderen Songs des DebĂŒts. Außerdem sang Pit Passarell "Crime" und auch die ein oder andere Coverversion wurde ausgepackt. Groß angelegte Touren oder Überseebesuche gab es keine, vermutlich weil die Musiker mit Ausbildung, Beruf und Schule beschĂ€ftigt waren. Aber die Band hatte großen Spaß an der Musik und lockte ein immer grĂ¶ĂŸeres Publikum an. Alles lief gut, bis Andre Matos seinen Ausstieg ankĂŒndigte. Am 30. Juni 1990 spielte er sein letztes Konzert mit der Band. Ihm folgte kurz darauf Guilherme Martin, der von Renato Graccia ersetzt wurde. Andre bliebt noch fĂŒr Bandfotos und Fernsehauftritte den Sommer ĂŒber bei der Band, konzentrierte sich dann aber völlig auf sein Musikstudium. Als neuen Schlagzeuger konnte die Band Renato Graccia (Jahrgang 1973) gewinnen. Einen neuen SĂ€nger suchte Band allerdings nicht. Stattdessen ĂŒbernahm Pit Passarell, der vor Matos' Einstieg in die Band bereits Frontmann gewesen war, den Gesang. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte von VIPER...
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Angelus_Mortiis » 21. Mai 2012, 16:46

Zu "Moonlight" habe ich noch eine schöne Anekdote: Viper haben 1992 einige Konzerte in Deutschland gespielt, da sie in der Zeit auch gerade ihre dritte Scheibe in hier aufnahmen. Die ersten beiden Scheiben waren noch nicht rereleased worden, allerdings hatte ich (da ich damals fĂŒr ein Fanzine schrobte) schon Vorabexemplare von "Soldiers of Sunrise" und "Theatre of Fate" bekommen und ich war begeistert. Zum glĂŒck wußte ich von der Tour, also ab nach Wiesbaden ins Rough (gibt es leider auch schon lange nicht mehr). Die Tour scheint nicht groß beworben worden zu sein, jedenfalls waren recht wenig Leute anwesend, aber egal, Viper waren gut, wenn auch natĂŒrlich bei den alten StĂŒcken AndrĂ© Matos fehlte. Wir hatten unseren Spaß. WĂ€rend einer Instumente-Nachstimm-Pause haben wir dann auch lautstark eben "Moonlight" gefordert, was dazu fĂŒhrte, dass Pit Passarell auf der BĂŒhne deutlich sichtbar zusammenzuckte. Er drehte sich schnell um und blickte in unsere grinsenden Gesichter, zog den Rest des Konzertes abeer erstmal durch. Nach dem letzten Ton kan er dann direkt von der BĂŒhne auf uns zu und meinte: "You were the guys crying for Moonlight? Believe me, if we'd play it, you'd hate us!". Er wusste wohl, wo seine Grenzen sind :lol: :lol:

Edit: Typos
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Ulle » 21. Mai 2012, 17:10

Habe sie mit dem General damals auch live gesehen, im Styx (R.I.P.) in Heilbronn-Leingarten. "Theatre of Fate" war bereits bei Massacre raus und wir haben die Platte abgöttisch geliebt, S.o.S. erschien dann erst spĂ€ter. NatĂŒrlich waren wir total enttĂ€uscht, dass Herr Matos nicht mehr in der Band war und dass wir kaum einen der gespielten Songs kannten, zumal der Großteil bereits die StĂŒcke des dritten Albums waren, welches ja noch gar nicht erschienen war. Der Gig war trotzdem total geil, auch wenn das Publikum aus höchstens 20 Leuten bestand.

MĂŒsste irgendwann im April 92 gewesen sein und es war an dem Tag unverschĂ€mt heiß. Als wir danach mit einem der Passarells redeten fand er es merkwĂŒrdig, dass es in Deutschland wohl wĂ€rmer sei als in Brasilien. Auf die Frage, warum Andre Matos nicht mehr dabei sei meinte er nur: "He was schĂ€wuuuul...!" :smile2:

Kurz davor traten im gleichen Laden ĂŒbrigens "Abraxas" auf, vor drei interessierten Zuschauern. FĂŒnf bis zehn weitere saßen im ganzen Laden verstreut rum.
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Re: VIPER BRAZIL-Thread

Beitragvon Angelus_Mortiis » 21. Mai 2012, 17:31

Jepp, April kommt hin. Und heiß war es auch. Und jetzt wo du es sagst, ĂŒber die Hitze hatte sich Pit auch beschwert :lol:
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