Rauberer hat geschrieben:BTW: Mich würde mal interessieren, was ihr von meinem Schreibstil haltet.
Ein Review zum Review, oder was?
Am formalen Aufbau stört mich zunächst mal ein wenig, dass es zu viele Absätze sind. Einen Absatz setzt man normalerweise nicht nach jedem einzelnen Gedankengang, sondern dann, wenn ein inhaltlicher Komplex abgeschlossen wird. Sprich, du gliederst zum Beispiel in (nur ein Vorschlag, kein Patentrezept):
1. Einleitung (in der Regel ein Absatz)
z.B. allgemeines zur Band, kurze biographische Hinweise, ein paar Worte zur "allgemeinen Wahrnehmung", Kontroversen, Besetzungswechsel, Labelwechsel etc... nicht zu lang, weil sonst leicht die Musik an sich zu kurz kommt.
2. Allgemeines zum Album (je nach Ausführlichkeit einer oder mehrere Absätze)
wie zum Beispiel Produktion, Konzept, Grobgliederung in mehrere Abschnitte, stilistische Ausrichtung, ggf. mit Vergleichen zu anderen Bands
3. Konkretes zur Musik (je nach Ausführlichkeit einer oder mehrere Absätze)
wie zum Beispiel die ausführliche Vorstellung einzelner Songs, Vergleiche unter den Songs, Stellungnahme zum Abwechslungsreichtum, Highlights, Lowlights, Stilbrüche, besonders auffällige oder ungewöhnliche Elemente
4. Fazit (in der Regel ein Absatz)
hier ordnest du das Werk ein und bewertest es abschließend; du kannst es nur an deinem persönlichen Geschmack messen, oder es aber auch in einem größeren Kontext einordnen: qualitativer Vergleich zu anderen Bands, Vergleich mit dem früheren Schaffen der Band, Versuch der Beurteilung der breiteren Wirkung auf die Szene
Je nach Schwerpunkt und beabsichtigter Wirkung kannst du die Reihenfolge und die Schwerpunkte anders gewichten. Man kann auch mal das Fazit vorweg nehmen und dann begründen, oder ganz bewusst "ungewöhnliche" Schwerpunkte setzen. Aber die vorgenannten Punkte sollten m.E. zumindest bedacht werden und eine bewusste Entscheidung gefällt werden, ob und wie viel dazu geschrieben wird. Wichtig ist - wie bereits angedeutet - eben auch, dass ein Absatz einen inhaltlichen Zusammenhang mehrerer Gedankengänge darstellt, die bewusst vom nachfolgenden und voran gehenden Absatz abgehoben werden. Dein Muster "1 Gedanke = 1-2 Sätze = 1 Absatz" wirkt sehr stark wie Telegrammstil. Als würde man ein Stichwort-Review in ein Forum schreiben.
Zu den von deinen Lesern dir gegenüber genannten einzelnen Kritikpunkten:
-zuwenig auf einzelne Songs eingehe
Das ist generell Geschmackssache. "Song by Song"-Reviews sind oft sehr zäh zu lesen. Wenn man das macht, muss man sehr vorsichtig sein, dass das sprachlich nicht zu repetitiv wird. Meist nehme ich mir vor, nur einzelne Songs exemplarisch zu erwähnen, wobei ich dann oft doch in das Muster verfalle, alle Songs abzuhandeln, weil ich einfach zu jedem etwas sagen will. Das ist immer eine Gratwanderung. Je stärker die Songs variieren, umso mehr empfiehlt es sich, alle Facetten zu beleuchten. Bei Bands wie AC/DC oder Running Wild reicht oft auch der Hinweis auf die High- und Lowlights, sowie auf den einen oder anderen Song, der vielleicht doch aus dem stilistischen Rahmen fällt. Natürlich immer mit Begründung. An deinem Beispielreview zu AK stört mich ein bisschen, dass die einzelnen Songs zu sehr "abgearbeitet" werden. So nach dem Prinzip: "und dann ..., danach ... und zum Schluss ...". Es ist für mein Empfinden die formal schwierigste Aufgabe eines Song-by-Song-Reviews, diesen Effekt zu vermeiden. Ich versuche in der Regel, dies dadurch zu erreichen, dass ich die Songs zu Blöcken zusammenfasse und dann innerhalb des Blockes von einander abgrenze; sprich zwei bis drei Songs in einen Satz bzw. Absatz packe. Das durchbricht den m.E. langweilig zu lesenden Abhandel-Stil. Zum Beispiel halte ich das folgende Modell für gut lesbar: "Während der Opener ... schnell und thrashig loslegt, überrascht die Band gleich an zweiter Stelle mit der entspannten Ballade ... Im Anschluss widmet sich die Band einer epischen Songtrilogie, die aus dem doomigen Auftakt ... und ........ besteht. Wichtig ist halt, dass du einen Lesefluss erzeugst, der dazu führt, dass der Leser von einem Song in den anderen geführt wird, ohne dass er ins Stocken kommt.
-allgemein zu wenig Vergleiche zu anderen Gruppen/Songs ziehe
Da kommt es darauf an, mit wem du es als Besprechungsgrundlage zu tun hast. Ich habe es persönlich lieber, nicht zu viele Vergleiche zu anderen Bands zu ziehen; bzw. zumindest keine Totschlag-Vergleiche der Marke "die besseren Manowar", "ein totaler Venom-Rip-off" etc... eher einzelne Assoziationen wie "der Refrain erinnert an frühe Saxon", "die Leadgitarre hat was von Ross The Boss" usw. Klar, wenn eine Band eine "Coverband mit eigenen Songs" ist, dann muss man das auch sagen. Aber wenn eine Band sich hörbar darum bemüht, was eigenes zu machen, dann sollte man sich nicht auf Vergleiche beschränken, sondern auch das nennen, was eigen ist. Wichtig ist, heraus zu arbeiten, welche Zielgruppe die Band anspricht, und was die Band im Besonderen ausmacht. Je origineller eine Band ist, desto weniger Vergleiche braucht man. Bei bekannten Musikern mit neuen Bands und Projekten wird man auch kaum umhin können, zumindest den Kontext zum früheren Schaffen zu würdigen.
-mich nicht der üblichen (!?) Sprache in Metalreviews bediene
Das ist als Vorwurf Bullshit und grundsätzlich eher eine Auszeichnung. Wobei ich jetzt nicht das Gefühl habe, dass du ungewöhnliches Vokabular verwenden würdest. Klar musst du gewisse Begrifflichkeiten beherrschen und wissen, was ein Riff, ein Lead, ein Solo und Doublebass ist und solche Begriffe korrekt anwenden. Da habe ich keinen Zweifel, dass du das tust. Aber darüber hinaus ist es doch eher erstrebenswert einen eigenen Stil zu entwickeln als sich dem Üblichen anzupassen.
-Underground-Bands bevorzuge (hä?)
Dazu müsste ich jetzt deine gesamte Review-Historie kennen. Trumpf ist immer der eigene Geschmack, und wenn dir eine Undergroundband mehr taugt als ein Megaseller, dann musst du das auch so herüber bringen. Du solltest halt vermeiden, dass der Eindruck entsteht, dass du die eine Band gut bewertest, weil sie Underground ist, und eine andere viel kritischer, weil sie Mainstream sind. Natürlich kann man lobend erwähnen, dass eine Band tolle Qualität liefert, obwohl kein starkes Label dahinter steht etc... aber es sollte halt deutlich werden, dass die Qualität der Musik bei der Bewertung im Vordergrund steht und nicht der Lobbyismus (egal ob die Lobby die "Credibility in der Underground-Szene" oder der "Scheck von der Plattenfirma" ist).
-und nicht so ausufernd schreibe wie die Kollegen bei Rock Hard usw.
Wo bitte schreibt das Rock Hard ausufernde Reviews? Dafür haben die doch gar keinen Platz... Du musst immer so viel schreiben, wie du zu sagen hast. Ein Review, das sich immer weiter im Kreis dreht, obwohl alles gesagt ist, das ist öde. Aber ein Review, das aufhört, obwohl nicht alles gesagt ist, das ist unvollständig. Kurze Reviews haben einen Vorteil in Sachen Lesbarkeit und Effekt auf den Leser, wenn der Schreiber in der Lage ist, in wenigen Zeilen viel zu sagen und nichts wesentliches zu unterschlagen (schwierige Aufgabe!). Ist er das nicht, dann sollte er sich lieber ein paar Zeilen mehr Zeit und Raum nehmen, damit alle wesentlichen Gedanken zu Papier gebracht werden. Die vier oben genannten Hauptbereiche der Rezension sollten auch in kurzen Rezensionen vorhanden sein. Meinetwegen sehr gerafft, aber doch stringent. Bei langen Reviews muss man genauso aufpassen. Hier verliert man leicht den Leser, wenn es zu ausufernd wird. Da musst du selber das richtige Maß finden, das nie allgemeingültig sein kann. Deine Leser mögen andere Vorstellungen und Ansprüche an dich haben wie meine an mich.