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Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 15. Juni 2017, 00:09
von Flossensauger
Ganz frischer Tipp von drüben, bitte viel Zeit mitbringen: http://www.newyorker.com/magazine/2017/06/19/the-persistence-of-prog-rock

Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 2. Juni 2018, 16:00
von Highman
Den Prog begeisterten kann man dieses kleinöd ans Herz legen:

Rikard Sjöblom's Gungfly: On Her Journey To The Sun / 2-CD
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https://www.musik-sammler.de/media/1276628/

https://www.youtube.com/watch?v=AXIL75HtKbQ

https://www.youtube.com/watch?v=dMdxu9FHKFA

Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 29. Januar 2019, 23:20
von Pavlos
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ANYONE'S DAUGHTER - Anyone's Daughter (Deutschland, 1980)

Nachdem die Stuttgarter sich auf ihrem Debüt "Adonis" noch stark an ihren Vorbildern Genesis und deren Märchen-Prog orientierten, schwebte ihnen für ihr zweites Album "Anyone's Daughter" ein eigenständigeres, kompositorisch deutlich variableres Album vor, welches nicht nach den damals noch gängigen Prog-Klischees der 70er klingen sollte. Zwar waren vereinzelt noch ausufernde Instrumentalpassagen zu hören (wie man im unten geposteten Track sehr schön nachhören kann), aber der Großteil der Scheibe war im Vergleich zum Debüt deutlich kompakter und much more to the point arrangiert.

Mit dem Vierminüter "Moria" hatte man sogar so' ne Art Radio-Hit fabriziert zu dem es eine kleine Geschichte zu erzählen gibt: Als Keyboarder Matthias Ulmer, der mit den Kanadiern Sacred Blade nichts zu tun hat, dem Rest der Jungs die eingängige Hauptmelodie vorspielte, fanden diese sie aufgrund ihrer simplen Struktur und des eingängigen Charakters megapeinlich, und weigerten sich vehement, sie aufnehmen. Letztendlich taten sie es dann aber doch, und der Track landete 1980 auf Platz Zwei der SDR3 Jahreshitparade.

Trotz dieser Kurskorrektur, schaffte es die Band aber immer noch, ihren Liedern ausreichend schwelgerische Momente zu verpassen, und so schafften es Anyone's Daughter, die alten Fans zu halten, aber auch neue Hörer dazuzugewinnen.


Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 30. Januar 2019, 00:37
von Acrylator
Pavlos hat geschrieben:Bild

ANYONE'S DAUGHTER - Anyone's Daughter (Deutschland, 1980)

Nachdem die Stuttgarter sich auf ihrem Debüt "Adonis" noch stark an ihren Vorbildern Genesis und deren Märchen-Prog orientierten, schwebte ihnen für ihr zweites Album "Anyone's Daughter" ein eigenständigeres, kompositorisch deutlich variableres Album vor, welches nicht nach den damals noch gängigen Prog-Klischees der 70er klingen sollte. Zwar waren vereinzelt noch ausufernde Instrumentalpassagen zu hören (wie man im unten geposteten Track sehr schön nachhören kann), aber der Großteil der Scheibe war im Vergleich zum Debüt deutlich kompakter und much more to the point arrangiert.

Mit dem Vierminüter "Moria" hatte man sogar so' ne Art Radio-Hit fabriziert zu dem es eine kleine Geschichte zu erzählen gibt: Als Keyboarder Matthias Ulmer, der mit den Kanadiern Sacred Blade nichts zu tun hat, dem Rest der Jungs die eingängige Hauptmelodie vorspielte, fanden diese sie aufgrund ihrer simplen Struktur und des eingängigen Charakters megapeinlich, und weigerten sich vehement, sie aufnehmen. Letztendlich taten sie es dann aber doch, und der Track landete 1980 auf Platz Zwei der SDR3 Jahreshitparade.

Trotz dieser Kurskorrektur, schaffte es die Band aber immer noch, ihren Liedern ausreichend schwelgerische Momente zu verpassen, und so schafften es Anyone's Daughter, die alten Fans zu halten, aber auch neue Hörer dazuzugewinnen.


Bin ja eigentlich gar nicht so der Pop-Fan, aber "Moria" mag ich auch! (Den Rest der Scheibe ebenfalls - auch wenn das Cover wie von einem Kinderbuch gestohlen aussieht...)

Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 8. März 2020, 12:35
von Pavlos
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Out Of Focus - Out Of Focus (Deutschland, 1971)

Die Münchner Formation Out Of Focus veröffentlichte zwischen 1970 und 1972 drei Platten, die einen spannenden Mix aus Psych, Blues und Folk boten. Zwar war man noch bis Ende der Dekade aktiv und nahm sogar ein viertes Album auf (welches erst 1999 veröffentlicht wurde), aber diese drei Scheiben, die übrigens alle auf dem Kuckuck Kultlabel erschienen sind, waren leider der einzige Output der Band. Leider deshalb, weil ich Out Of Focus zu den interessantesten Truppen des Krautrock zähle, die Truppe sich im Laufe ihrer Platten immer mehr vom Hard Prog hin zum softeren Jazz Prog wandte und ich diese Metamorphose gerne weiterverfolgt hätte. Hier soll es nun um Album Nummer Zwei gehen, welches stilistisch noch eingermaßen ausgeglichen daherkommt und deshalb wunderbar in diesen Thread passt.

Während auf den drei Stücken der ersten Seite hart jazzig gerockt wird und die Band für 1971 manchmal einen recht harten Sound auffährt, hat es mir gerade die zweite Seite mit ihrer deutlich softeren und folkig-verträumten Ausrichtung angetan. Hier werden Tempo und Aggression zurückgefahren und Sänger M.Neumüller greift hier und da auch mal zu Saxophon und/oder Flöte, was den Nummern nochmal eine weitere Dimension verleiht. Im Zusammenspiel mit der dominanten Orgel (H. Hering, später bei Sahara aktiv) und den unter die Haut gehenden Gänsehaut-Soli von Gitarrist R.Drechsler ergibt das ein wohl tempariertes Suhlbecken für Kraut-Fans. Als Beispiel sei einer der schönsten deutschen Tracks aus den 70ern, das wunderschöne Fly Bird Fly genannt.

Nochmal kurz zu den Vocals bzw. den Lyrics. Wie viele andere deutschen Scheiben jener Ära, so "krankt" auch diese Platte an dem recht kraftlosen Gesang. Es wird (nicht immer, aber doch recht oft) mehr erzählt, denn gesungen. Was widerum zu den erstaunlich sozialkritischen und bezogen auf das Hier und Jetzt prophetischen Texten des Albums passt. "What can a poor boy do but to be a streetfighting man? Because we all know the people we're working for earn a thousand times more" oder "I see millions of people are paranoid, I see blind eyes and deaf ears, I see politicians never saying the truth, I see people dying, I see soldiers fighting....and I see that all this is important for the economy", hier bekommt jeder sein Fett ab.

Eine erstaunliche Platte, in allen Belangen.


Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 8. März 2020, 19:58
von Flossensauger
Möchte jemand einen Stapel "eclipsed" Hefte zum KIT mitgebracht bekommen?

Habe eine komplett Sammlung (und noch zwei weitere Progzinereihen) geschenkt bekommen und kann meine letzten Jahrgänge abgeben. Einfach bei meinem Bauchladen vorbeischauen, wenn's denn überhaupt stattfindet.

Re: Die kleine, schnuckelige Wellness Rock/Prog Oase

BeitragVerfasst: 8. März 2020, 22:10
von Metalfranze
Pavlos hat geschrieben:Bild

Out Of Focus - Out Of Focus (Deutschland, 1971)

Die Münchner Formation Out Of Focus veröffentlichte zwischen 1970 und 1972 drei Platten, die einen spannenden Mix aus Psych, Blues und Folk boten. Zwar war man noch bis Ende der Dekade aktiv und nahm sogar ein viertes Album auf (welches erst 1999 veröffentlicht wurde), aber diese drei Scheiben, die übrigens alle auf dem Kuckuck Kultlabel erschienen sind, waren leider der einzige Output der Band. Leider deshalb, weil ich Out Of Focus zu den interessantesten Truppen des Krautrock zähle, die Truppe sich im Laufe ihrer Platten immer mehr vom Hard Prog hin zum softeren Jazz Prog wandte und ich diese Metamorphose gerne weiterverfolgt hätte. Hier soll es nun um Album Nummer Zwei gehen, welches stilistisch noch eingermaßen ausgeglichen daherkommt und deshalb wunderbar in diesen Thread passt.

Während auf den drei Stücken der ersten Seite hart jazzig gerockt wird und die Band für 1971 manchmal einen recht harten Sound auffährt, hat es mir gerade die zweite Seite mit ihrer deutlich softeren und folkig-verträumten Ausrichtung angetan. Hier werden Tempo und Aggression zurückgefahren und Sänger M.Neumüller greift hier und da auch mal zu Saxophon und/oder Flöte, was den Nummern nochmal eine weitere Dimension verleiht. Im Zusammenspiel mit der dominanten Orgel (H. Hering, später bei Sahara aktiv) und den unter die Haut gehenden Gänsehaut-Soli von Gitarrist R.Drechsler ergibt das ein wohl tempariertes Suhlbecken für Kraut-Fans. Als Beispiel sei einer der schönsten deutschen Tracks aus den 70ern, das wunderschöne Fly Bird Fly genannt.

Nochmal kurz zu den Vocals bzw. den Lyrics. Wie viele andere deutschen Scheiben jener Ära, so "krankt" auch diese Platte an dem recht kraftlosen Gesang. Es wird (nicht immer, aber doch recht oft) mehr erzählt, denn gesungen. Was widerum zu den erstaunlich sozialkritischen und bezogen auf das Hier und Jetzt prophetischen Texten des Albums passt. "What can a poor boy do but to be a streetfighting man? Because we all know the people we're working for earn a thousand times more" oder "I see millions of people are paranoid, I see blind eyes and deaf ears, I see politicians never saying the truth, I see people dying, I see soldiers fighting....and I see that all this is important for the economy", hier bekommt jeder sein Fett ab.

Eine erstaunliche Platte, in allen Belangen.


Großartiger Song, im Video wunderbar bebildert, Danke Pavlos!